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4. Etappe: Solothurn - km 450 (Generalkarte CH 1: 47°13' nord, 7°33' ost)
Dienstag 27.5.1986
Am nächsten Morgen, ich hatte gerade geduscht, klopft es an meine Tür. Verwundert denke ich: "Nanu, wer kann das sein? Etwa der Zimmerservice mit dem Frühstück? Ich hab doch gar nichts bestellt." Ich rufe: "Herein!" - Nichts tut sich. Nach einiger Zeit nochmaliges Klopfen, diesmal deutlich energischer. Nichts Gutes ahnend lege ich das Rasierzeug beiseite, gehe zur Tür und öffne. Draußen steht in einem modisch grünbraungelbschwarzen Tarnanzug, ein Abgesandter der schweizerischen Armee. Über seiner rechten Schulter trägt er ein respekteinflößendes Schießgewehr. In originalem 'Switzer Dütsch' gibt er mir zu verstehen, dass er jetzt sofort mein Zimmer requirieren müsse. Ich bin etwas verduzt, verstehe nur "Zimmer" und "requirieren" und kann mir darauf absolut keinen Reim machen. Nach einem Moment der Sprachlosigkeit frage ich verdattert: "Was ist los?" Geduldig erklärt er mir nun, diesmal in einem Anklang von Hochdeutsch, es sei Manöver, und sie müssten hier Quartier machen, und das sei halt in der Schweiz so üblich, und seine Leute würden in einer Stunde anrücken, und es wäre gut, wenn das Zimmer bis dahin frei wäre. Ich neige von Natur aus nicht zum Heldentum. Deshalb schlucke ich das mir schon auf der Zunge liegende ".... Unverschämtheit! ...kommt gar nicht in Frage!.... schließlich habe ich für das Zimmer bezahlt!" einfach hinunter. Ich bin Realist genug, um mir, allein gegen die eidgenössische Armee, keine allzu großen Siegeschancen einzuräumen. Angesichts von soviel höherer Gewalt gebe ich klein bei, zeige mich kooperativ und verspreche das Feld, beziehungsweise das Zimmer, zügig zu räumen. Das fällt mir einerseits nicht besonders schwer, da ich ohnehin vor hatte zeitig aufzubrechen. Andererseits fühle ich mich doch etwas überrumpelt und kann mich des Eindrucks nicht erwehren, soeben Opfer eines regelrechten und staatlich saktionierten Rausschmisses geworden zu sein. Allein meinem geschickten, äußerst sensiblen Verhalten ist es zu verdanken, dass dieser Zwischenfall folgenlos blieb, und nicht zu ernsthaften diplomatischen Verwicklungen führte. Tiefhängende Wolken und wiederholte Regenschauer verzögern meinen Aufbruch. Ich nütze die Zeit für einen Rundgang durch die nicht reizlose Altstadt wo gerade ein Blumenmarkt stattfindet. In einem Café warte ich auf Wetterbesserung. |
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Streckenkurzbeschreibung:
4. Etappe Baden - Lenzburg - Suhr - Oftringen - Murgenthal - Oensingen - Solothurn
Tagesleistung: 91 km |