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8. Etappe: Louhans - km 690 (Michelin Karte 70: 51.82° nord, 3.20° ost)
Samstag 31.5.86 Aufbruch: 9.00 Uhr; Temperatur:
nahe dem Gefrierpunkt! Ich radle mal wieder in Trainingsanzug und Anorak.
Das insgesamt leicht ansteigende
Gelände ist recht hügelig. Trotzdem komme ich gut
voran. So gut, dass ich auf den geplanten Abstecher zur Doubsquelle in der Nähe von Mouthe
verzichte.
Den mit 1000 m höchsten Punkt
der heutigen Etappe erreiche ich in Chaux Neuf. Von nun an geht's überwiegend bergab. In Foncine-le-Bas
verlasse ich die D437 und folge der D127 über Chaux-des-Crotenay nach
Pont-de-la-Chaux, dann der
D75 nach Frasnois.
Straßenführung und Gefälle erlauben es, nahezu ungebremst talwärts zu schießen. Eine reines Vergnügen! Der steife Fahrtwind und die vorbeisausende Landschaft lassen den Adrenalinspiegel steigen. Ich gerate in Ekstase. Fliegen kann nicht schöner sein! Ein kleiner Lieferwagen, ein Citroen 2CV, - so eine Ente mit Rucksack - setzt zum Überholen an. Am Steuer eine Person in weißem Kopftuch. Das Gesicht ist nicht zu erkennen, nur eine spitze Nase ragt über den Rand des Tuches hinaus. Ich schenke dem Ganzen wenig Beachtung, bin ausschließlich darauf bedacht möglichst viel Geschwindigkeit aufzunehmen und ducke mich dabei tief über den Lenker. Der Tacho zeigt 48 km/h. Tendenz: steigend! Doch der Geschwindigkeitsrausch soll nicht von langer Dauer sein. Er weicht jäher Ernüchterung! Kaum ist die Ente nämlich an mir vorbei, da zieht sie auch schon scharf nach rechts. Ich denke mich laust ein ganzer Affenclan! Geistesgegenwärtig greife ich in die Bremsen, weiche vorsichtig nach rechts aus und entgehe nur äußerst knapp einer Katastrophe. Der Abstand wächst. Ich atme tief durch. Der Wagen fährt nun etwa zehn Meter vor mir. Da, plötzlich, beginnt er abrupt zu bremsen. Sein Heck kommt rasend schnell näher. Der Schreck fährt mir erneut in alle Glieder. Für rationales Handeln oder gar langatmige Verwünschungen ist keine Zeit. Selbst die übliche Schrecksekunde kann ich mir nicht leisten. Ohne zu überlegen steuere ich intuitiv nach links, in der Hoffnung irgendwie an der Kiste vorbeizukommen. Doch, ich kann es nicht fassen, die verflixte Blechlaube fährt nun ebenfalls nach links. Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken, das wird eng, sehr, sehr eng. Starr vor Entsetzen greife ich nun voll in die Bremsen. Gleichzeitig versuche ich durch extreme Gewichtsverlagerung noch weiter nach links auszuweichen. Ich komme ins Schleudern. Um Haaresbreite schlittere ich am zerbeulten Heck der Ente vorbei, schieße quer über die Gegenfahrbahn, gerate in bedenkliche Nähe des Straßengrabens und komme endlich mit zitternden Knien zum Stehen. Empört wende ich mich um und will sogleich meinem Groll Luft machen. Doch da sehe ich den Lieferwagen, gemächlich als wäre nichts geschehen, rechts in einen Feldweg hinein schaukeln und kurz darauf hinter einer Heckenreihe verschwinden. Ich bin frustriert, brauche einige Zeit, um mich angesichts von soviel Ignoranz zu beruhigen. Am Straßenrand sitzend muss ich das Geschehene erst einmal verdauen. Doch je länger ich so dasitze, desto utopischer, irrealer erscheint mir dieser gespenstische Zwischenfall. Es kann sich hier nur um eine Fiktion, einen schlechten Traum handeln. Es ist als hätte ich in einem billigen Horrorfilm die Hauptrolle gespielt und eben so etwas wie eine 'Unheimliche Begegnung der 3. Art' erlebt. Doch extraterrestrische Besucher in weißen Kopftüchern? Warum nicht?! Nachdenklich
geworden setze ich die
Abfahrt auf der D39 fort. Die Gegend ist landschaftlich sehr reizvoll.
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Streckenkurzbeschreibung: Michelin Karte 70 Malbuisson - Mouthe - Châtelblanc - Foncine - Pont-de-la Chaux - Doucier - Vevy - Lons-le-Saunier - Beaucaire - Louhans Tagesleistung: 115 km |