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9. Etappe: Cluny, km 762 (Michelin Karte 70: 51.6° nord, 2.6° ost)
Sonntag 1.6.86 Gegen Morgen wird es empfindlich kalt. Schlaftrunken, auf der Suche nach wärmender Kleidung, taste ich im Halbdunkel meine Umgebung ab. Mit dem Anorak und einem Handtuch decke ich mich notdürftig zu. Die Beine bleiben kalt und das aufgehäufte Zeug verrutscht immer wieder. Keine Chance wieder einzuschlafen! Ich friere entsetzlich und bin froh als es langsam hell wird und ich endlich mein eisiges Nachtlager verlassen kann. Meine Muskeln sind verspannt, die Glieder steif vor Kälte. Jede Bewegung schmerzt und verursacht leise knackende Geräusche in den Gelenken. Da hilft nur eins, eine heiße Dusche! Von der Aussicht auf wohlige Wärme beflügelt, strebe ich eilig den Waschräumen zu. Die Duschkabinen sind alle frei. Weit und breit ist niemand zu sehen. Es herrscht eine ungewöhnliche Ruhe. Das gibt mir zu denken, kommt mir sehr verdächtig vor. Ich drücke den Warmwasserknopf der Dusche. Nichts passiert, das begehrte, wärmespendende Nass bleibt aus. Ich drücke noch mal, versuche es in der Nachbarkabine, nichts! Mein von Anfang an latent vorhandener Verdacht reift zur Gewissheit. Die Anlage hier ist noch nicht in Betrieb, und ich bin wahrscheinlich zur Zeit der einzige Gast auf dem Gelände. Es stehen zwar einige Caravans herum, aber die machen einen verlassenen, irgendwie eingemotteten Eindruck. Ade Wärme und Behaglichkeit! Das Kaltwasser fließt. Schnell erledige ich meine Morgentoilette. Anschließend schlürfe meinen frischgebrühten Pulverkaffee, verbrenne mir dabei mehrmals die Zunge und packe nebenher das Zelt und die übrigen Utensilien ein. Da ich gestern bei meiner Ankunft nicht im voraus bezahlen konnte, möchte ich dies nun nachholen, doch das kleine Blockhaus mit dem Schild 'Reception' über der Eingangstür ist verwaist. Ich studiere noch einmal das Plakat mit den Tarifen und den allgemeinen Verhaltensregeln und lerne dabei, dass der Platz erst ab heute, dem 1. Juni geöffnet ist. Nach kurzem Überlegen komme ich zu dem Schluss, dass mein Aufenthalt hier eigentlich noch gar nicht zählt. Um dem eventuell doch vorhandenem Personal Peinlichkeiten bei der Abbuchung der Platzgebühr zu ersparen, verzichte ich aufs Zahlen, verabschiede mich lautlos und stehle mich davon. Der
erste Tag im Sommermonat Juni zeigt sich nicht gerade von seiner besten Seite. Es ist für die Jahreszeit
einfach zu kalt.
Vielen
wird Cluny noch aus dem Geschichtsunterricht als Sitz einer berühmten
Benediktiner Abtei
in Erinnerung sein. Von dem einst mächtigem Klosterkomplex sind heute nur noch
kümmerliche Reste zu sehen.
Es
gibt aber Computersimulationen mit
deren Hilfe es möglich ist in
Erst die französische Revolution bereitete den Privilegien der Kirche und ihren vielfältigen Pfründen ein vorläufiges Ende. Die aus dem 11. Jahrhundert stammende Kirche, die zweitgrößte nach dem Petersdom in Rom, wurde im Jahre 1810 abgetragen. Heute sind nur noch einer der achteckigen Glockentürme, das südliche Querschiff und einige Kapitele seiner mächtigen Säulen vorhanden.
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Streckenkurzbeschreibung: Michelin Karten 70 und 69 Louhans - Montpont - Romenay - Pont-de-Vaux - Fleurville - Peronne - Azé - Cluny Tagesleistung: 72 km |