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16. Etappe: Excideuil en Perigord - km 1200
(Michelin Karte
75: 50.37° nord, 1.44° west)
Montag
9.6.86
Die
Nacht war wieder einmal lausig kalt und schier unendlich lang. Ich werde sehr früh wach, es
beginnt gerade hell zu werden, und ich friere wie ein
Schneider. Der Superleicht-Minischlafsack taugt wirklich nur für laue
Sommernächte. Da fliegt man nun schon seit Jahren zum Mond, geht da oben
gemütlich spazieren, in vollklimatisierter Kleidung und im neuesten
Astronautenlook, und was hat der simple Erdling davon? Beschichtete Bratpfannen! Warum
fällt da nicht mal
was Nützliches ab? Warme Superleicht- Minischlafsäcke zum Beispiel!
Bibbernd
krieche ich aus dem Zelt und starte sogleich das bewährte
Selbstaufwärmprogramm: Schattenboxen ohne Schatten und Seilhüpfen ohne Seil. Wie gut, dass
mir niemand dabei zusieht. Dezent knacken die Gelenke, doch langsam taue ich auf.
Die wärmenden Strahlen der eben aufgehenden Sonne und der frisch gebrühte
Kaffee tun ein übriges. Später, im Waschraum, erfahre ich von einem
Fußballfan, dass ich gestern nichts versäumt habe. Es blieb beim 2:1, wir sind
eine Runde weiter!
Das
Wetter ist auch heute wieder tadellos, kein Wölkchen zeigt sich am tiefblauen Himmel. Ein
heißer Tag kündigt sich an. Ich komme flott voran, das Gelände
ist immer noch leicht abfallend.
Schon bald überquere ich die N20 und fahre auf
der D902 in Richtung Lubersac. In 'la Rade' setze ich mal wieder einen
'dokumentarischen Meilenstein', das heißt, ich fotografiere eine
unverwechselbare Landmarke, in diesem Fall einen Wegweiser zur eindeutigen
Ortsbestimmung. Zusammen mit der Bildnummerierung des Films erleichtern mir
diese Meilensteine die spätere
Zuordnung der einzelnen Dias zu den verschiedenen Etappen.
Auf der D107, dann auf der D7 gelange
ich nach Paysac im Departement Dordogne. Ich befinde mich nun in der Region
Aquitaine, die sich von hier bis zum Atlantik erstreckt. Am westlichen Rand der
Michelinkarte 75, die ich seit kurzem benutze, erscheint bereits Bordeaux.
Das
gibt Auftrieb. Weiter geht's auf der D4 in Richtung Excideuil. Obwohl die
Strecke nicht besonders anstrengend ist, fühle ich mich etwas schlapp. Ich
verspüre das dringende Verlangen, wieder mal einen Ruhetag einzulegen. Knapp
nach Mittag und kurz vor Excideuil kann ich nicht länger widerstehen. Ein idyllisch
an einem Flusslauf gelegener, ruhiger Campingplatz lädt zum Verweilen ein. Der
Platz macht zwar einen wilden, aber dennoch gepflegten Eindruck. Er ist ziemlich verlassenen,
ich bin der einzige Gast, doch die Rezeption ist besetzt. Neben Getränken gibt
es auch Lebensmittel, Wurst, Käse, Brot. Das Zelt ist schnell errichtet, dann fröne
ich einer ausgiebigen Siesta. Lang ausgestreckt, im Schatten eines
Baumes, genieße ich noch eine Weile die friedliche Stille, bevor ich entschwinde,
traumlos ins Reich der Träume.
Gegen
Abend schwinge ich mich auf das abgetakelte, von den Satteltaschen befreite
Fahrrad und mache mich auf den Weg nach Excideuil zum Abendessen. Unterwegs kommt
mir auch noch eines der vielen
Schlösser dieser Gegend vor die Linse.
Es
wandert schnurstracks durch den schwarzen Kasten in meine Diasammlung. Nach kurzem Suchen finde ich
ein dem äußeren Eindruck nach vielversprechendes Restaurant. Und ich werde nicht enttäuscht!
Besonders
angetan bin ich von der zum 'Cote de Porc' gereichten 'Sauce Dijon'. Auf meine
Frage nach dem Rezept zuckt der Koch nur locker die Schultern und meint: "Créme
fraiche, moutarde et de l'ail, c'est tout!" Eine gewöhnliche Senfsauce
also, mit Knoblauch! Ich vermute, es kommt wohl auf den richtigen Senf
und ein ausgewogenes Mischungsverhältnis an. Ich nehme mir vor der
Sache bei nächster Gelegenheit experimentell auf den Grund zu gehen.
Streckenkurzbeschreibung:
Michelin Karte 72/75
Eyburie - la Rade - Lubersac - Payzac - Treignac -
Excideuil
Tagesleistung:
55 km
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