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Etappe 20: Arcachon - km 1470 (Michelin Karte 71: 49.60° nord, 3.90° west)
Freitag 13.6.86 Geschafft! Es ist vollbracht! Eintausendvierhundertundsiebzig Kilometer Fahrradtour über gute und weniger gute Straßen, bei Regen und Schnee und bitterer Kälte, aber auch bei Sonnenschein und sengender Hitze, liegen hinter mir. Mit stolzgeschwellter Brust ziehe ich in Arcachon ein. Zu beiden Seiten des 'Boulevard de la Plage' ein Spalier jubelnder und Fähnchen schwingender Einwohner! Die Kinder haben schulfrei! Es herrscht Volksfeststimmung! Zu meiner Begrüßung ist der gesamte Stadtrat angetreten. Der Bürgermeister hält eine ergreifende Lobesrede und eine Musikkapelle spielt mit Bravour den Triumphmarsch aus Aida. So oder so ähnlich habe ich mir meine Ankunft hier immer vorgestellt. Statt dessen radle ich nun bescheiden, einen Campingplatz suchend und von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt, durch kaum bevölkerte Kleinstadtstraßen. Wunsch und Wirklichkeit sind gegenwärtig mal wieder Welten von einander entfernt. Trotzdem ist das Gefühl, endlich angekommen zu sein ein überwältigendes. Dabei begann der Tag eher nüchtern, und das im wörtlichen Sinne. Ich hatte mich eben fünf Stockwerke tief nach unten gearbeitet und betrat zuversichtlich die kleine Räumlichkeit, die ich für das Frühstückszimmer hielt. Statt eines reichhaltigen Büffets empfing mich gähnende Leere, aufgelockert durch ein paar vergammelte Plastikstühle und mehrere kleine runde Tische, die nach dem Zufallsprinzip über den ganzen Raum verstreut waren. An der Rezeption erfuhr ich dann, dass ein Frühstück nicht vorgesehen sei, man mir aber gegen Aufpreis ausnahmsweise ein solches bereiten würde. Dankend lehnte ich ab. Nicht zum erstenmal kam mir der Gedanke, dass mit diesem Hotel irgend etwas nicht stimmte. Ich hatte eine ziemlich unruhige Nacht hinter mir. Immer wieder wurde ich durch knarrende Geräusche im Treppenhaus aus dem Schlaf gerissen. Ein ständiges Kommen und Gehen, treppauf, treppab! Unausgeschlafen und hungrig machte ich mich davon. Ohne ordentliches Frühstück mit reichlich Kaffee, bin ich morgens kaum zu gebrauchen. In einem kleinen Straßencafe genehmigte ich mir deshalb eine reichhaltige, typisch unfranzösische Brotzeit. Inmitten des morgendlichen Stossverkehrs überkam mich dann die Erleuchtung, und es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Ich hatte in einer Absteige, einem Stundenhotel genächtigt! Alles fügte sich plötzlich zusammen, der eigenartige Empfand gestern Nachmittag, die Unterbringung weitab vom Schuss, unmittelbar unterm Dach, die nächtliche Geräuschkulisse und, was mich wirklich unangenehm berührte, das fehlende Frühstück. Ich verließ Bordeaux auf der N250, der großen Ausfallstraße nach Arcachon. Sie verläuft schnurgerade durch den 'Parc Regional des Landes de Cascogne' zum Bassin d'Arcachon. Das Gelände ist bretteben, die breite Straße führt durch hohen lichten Pinienwald! Das Wetter war tadellos und ich kam gut voran. Bei 'Marcheprime' legte ich im Wald noch eine kurze Mittagspause ein und erreichte dann so gegen 14 Uhr 'Facture'. Eine Stunde später war es dann endlich soweit, der große Augenblick war gekommen! Ich passierte das Ortsschild von Arcachon. Eine große Tour ging zu Ende....
Zum Abendessen mache ich mich wie immer außergewöhnlich stadtfein. Das heißt, ich trage ein Polohemd, das besonders knitterfrei gefaltet und nur für diesen Zweck reserviert ist. Das Studium der Speisekarten vor den Restaurants gestaltet sich äußerst langwierig. Ich finde nichts, was meinen Gaumen besonders reizen würde. Die Küche hier an der Küste ist eindeutig fischdominiert. Mir ist aber mehr nach Fleisch zu Mute. Außerdem will ich heute, zur Feier des Tages, und ohne Ansehen des Preises ein bisschen schlemmen. Nach langem hin und her, entscheide ich mich für ein gut besuchtes, gastronomisches Lokal, in dem ich gerade noch Platz bekomme. Das ist immer ein gutes Zeichen. Die Speisekarte bietet hier neben einer Menge Fischgerichte auch einige Speisen, die nicht aus Fisch zu bestehen scheinen. Ich wähle ein Menu mit dem Hautgericht 'Filet Juliette', und stelle mir darunter ein saftiges Rinderfilet in einer raffinieren Senfsauce mit grünem Pfeffer vor, das der Küchenchef besonders hervorheben will, indem er ihm den Namen seiner Frau oder Freundin verlieh. Dieser Illusion kann ich mich noch zwei Vorspeisen lang hingeben, dann wird mir, wie kann es auch anders sein, Fisch serviert. Am nächsten Tag unternehme ich eine
Exkursion zur
Düne Pilat. Sie
befindet sich etwa 7 km südlich von Arcachon. Der Weg führt über weite Strecken direkt am Meer entlang und
bietet schon aus der Ferne einen freien
Das grandiose Naturerlebnis
wird durch einige hässliche Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg etwas getrübt.
Ich bleibe noch 2 Tage hier,
unternehme eine ausgiebige Stadtbesichtigung und
Ende. Streckenkurzbeschreibung: Michelin Karte 71 Bordeaux - Pessac - Marcheprime - Facture - Gujan-Mestras - Arcachon Tagesleistung: 65 km |