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6.
Etappe: Tardets
- Sorholus - km 384
(Michelin Karte
85: 47,90° nord - 3,57° west)
Samstag 13. Juni 87
Acht Uhr, es sieht nach Regen aus. Ich lasse mir die Laune nicht verderben und
widme mich der Zubereitung meines Frühstücks. Ohne Tischtuch geht's nicht,
auch wenn der Tisch nur aus einem Stück Betonmauer besteht. Es ist ziemlich
kühl, und kaum habe ich meine Mahlzeit beendet, da fängt es auch schon ganz
sanft zu tröpfeln an. Eilig packe ich zusammen, stülpe mir die Regenhaut über
und ab geht's.
In
St. Jean le Vieux, dort wo die D 18 abzweigt und zum
1056 m hohen 'Col d'Aphanize' hinauf führt, bekomme
ich angesichts der wolkenverhangenen Berge Zweifel, ob ich
da wirklich rauf will. 940 Höhenmeter mit Steigungen
über 10 % sind schließlich kein Spaziergang, und das
alles in dichtem Nieselnebel! Die Zweifel verdichten sich
sehr schnell zur Gewissheit: Ich will nicht! Statt dessen
entscheide ich mich für die Route über den nur 392 m
hohen 'Col d'Osguich'. Ich folge also zunächst der
D 933 bis Chahara und dann der D 918 bis
St Just. Der leichte Nieselregen, an den ich mich
mittlerweile schon gewöhnt habe, wird jetzt merklich
intensiver. Auch die Straße wird nun steiler und das Radeln
unter dem luftdichten Regenzeug führt zu vermehrter
Transpiration. Die Sorge, das Deodorant könnte versagen,
wird immer bedrückender (Ha,ha!). Bis zur Passhöhe sind es
noch 4 km. Plötzlich setzt heftiger Platzregen ein.
Weit und breit keine Gelegenheit zum Unterstellen!
Unverdrossen trete ich weiter. Was bleibt mir auch anderes
übrig! Das sind die Momente, in denen sich der innere
Schweinehund wieder zu Wort meldet, jenes zweite Ich, das
vorgibt, immer alles besser zu wissen, und das es gern warm
und trocken, bequem und gemütlich haben möchte. Er
flüstert mir zu, doch endlich das Handtuch zu werfen, die
nächste Kneipe aufzusuchen, ein kühles Helles zu bestellen
und schon mal Erkundigungen nach einem nahe gelegenen
Bahnhof für die Heimreise anzustellen. Ich muss zugeben,
dass mir solche Gedanken schon eine ganze Weile im Kopf
herum spuken und ich in meiner augenblicklichen Verfassung
nur allzu geneigt wäre sie in die Tat umzusetzen, doch die
nächste Kneipe ist weit und liegt auf der anderen Seite des
Passes.
Jede
Schufterei hat mal ein Ende, so gegen Mittag erreiche ich
die wolkenverhangene Passhöhe. In strömendem Regen
passiere ich den 'Col d'Osguich' und mein einziger Wunsch
ist, hier möglichst schnell wieder runter zu kommen.
Über
Musculdy gelange ich nach 20 km mit einem Gefälle von
etwa 240 Höhenmetern die Abzweigung zur D 147.
Von hier aus geht es dann leicht hügelig über Mendy,
Sauguis und Trois-Villes nach Tardets-Sorholus. Es regnet
immer noch, und die tiefhängende, nebelgraue Wolkendecke
lässt so bald auch keine Wetterbesserung erwarten. Also
folge ich meinem inneren Schweinehund und werfe für heute
das Handtuch. Am frühen Nachmittag, es ist erst
14 Uhr, buche ich im 'Hotel du Gare' ein Zimmer. Alles
in allem ein reichlich unerfreulicher Tag, den ich schnell
zu vergessen gedenke!
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