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5. Etappe, Pisa, km 356 Mittwoch 1.6.88 Für meine Verhältnisse relativ früh, kurz nach 8 Uhr, breche ich in San Gimignano auf. Ich verlasse den Ort auf einer kleinen, kaum befahrenen Straße in nordwestlicher Richtung. Und es geht gleich richtig los! Mit 10 % -igen Steigungen ca. 180 Höhenmeter hinauf nach 'il Castagno'. Glücklicherweise habe ich hier auch schon den Höhepunkt der heutigen Etappe erreicht. Nach einer kurzen Verschnaufpause stürze ich mich in die Abfahrt. 300 Höhenmeter hinab, über Vicarello ins Tal des 'Fiume Era', einem Nebenfluss des Arno, dem ich dann auf der N439 flussabwärts folge. In der Nähe von Capannoli halte ich in den Flussauen meine mittägliche Rast. Es kommt leichter Wind auf. Schon nach kurzer Zeit beginnen mir die Augen zu tränen und eine Niesattacke folgt der anderen. In der Ferne, über den Getreidefeldern hat der ansonsten strahlend blaue Himmel eine schmutzig gelbe Färbung angenommen. Blütenstaub! Pollenflug! Und ich mitten drin! Hastig packe ich meine sieben Sachen wieder ein, binde mir in Ermangelung einer Gasmaske ein Geschirrtuch vor Mund und Nase und mache, dass ich davon komme. Ich mache mich aus dem Staub! Ha, ha!
So gegen 17 Uhr traf ich in Pisa ein. Über den 'Ponte Solferino' überquerte ich den Arno. Von der Brücke aus gesehen rechts, am linken Arnoufer, fällt besonders ein kleiner weißer Kirchenbau auf. Es handelt sich um die im Jahre 1230 erbaute Kirche 'Santa Maria della Spina', in der angeblich eine Dorne (spina) aus der Dornenkrone Christi aufbewahrt wurde.
Das wunderlichste an diesem Platz ist
wohl der schiefe Turm und die Tatsache, dass dieser noch nicht
umgefallen ist.
Pisa ist aller Wahrscheinlichkeit nach im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Griechen gegründet worden. Später siedelten hier, wie überall in der Gegend, die Etrusker. Die Stadt lag damals noch direkt am Meer und der in der Folge von den Römern angelegte Hafen hatte große militärische und wirtschaftliche Bedeutung für das Imperium. Der erste Kreuzzug ins heilige Land war für die Pisaner ein lukratives Unternehmen. Die Stadt stellte einen starken Flottenverband und machte reiche Beute. Kunst, Handel und Gewerbe nahmen einen rasanten Aufschwung. Im 13. Jahrhundert, im Zenit ihrer Macht, kontrollierte die Republik Pisa den Nahen Osten, Griechenland, Nordafrika, Sizilien, Sardinien und die Balearen. Mit der Seeschlacht von Meloria im Jahre 1284 nahm dann all die Herrlichkeit ein jähes Ende. Von den Genuesern vernichtend geschlagen, versank die einstige Großmacht in der politischen Bedeutungslosigkeit. All das erzählt mir mein schlauer Toskanaführer während ich in der Via S. Maria auf der Terrasse eines gutbesuchten Ristorante sitze und auf das Abendessen warte. Nur einen Steinwurf vom schiefen Turm entfernt genieße ich den einzigartigen Anblick der einsturzgefährdeten Attraktion. Der Abend ist lau und der Verkehrslärm in der engen Straße ebbt allmählich ab und macht einer beinahe friedlichen Stimmung platz. Auf der Terrasse schaltet sich die Beleuchtung ein. Gedanklich bin ich längst bei der morgigen Etappe mit der Überfahrt nach Korsika. Ich bin froh, als der Ober endlich die Vorspeise bringt. Schnell wandert das ausgebreitete Kartenmaterial wieder in die Fototasche, morgen ist schließlich auch noch ein Tag! |
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5. Etappe, 81 km von S. Gimignano nach Pisa über il Castagno, Vicarello, Capannoli, Ponsacco, Ponfedera, Calcinaia, Caprona und Mezzana
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