|
<<<
zur Navigation <<< |
||
|
12. Etappe, Tiuccia, km 788 Donnerstag 9.6.88 Die klaren Mistralnächte machen mir sehr zu schaffen. Gegen Morgen wird es empfindlich kühl und mein Schlafsack, ideal für heiße Tropennächte, hat der Kälte nichts entgegen zu setzen. Meist liege ich zähneklappernd wach oder wälze mich in einem unruhigen Halbschlaf von einer Seite auf die andere. Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis die ersten, wärmenden Sonnenstrahlen über die Wipfel der hohen Bäume hinweg auf mein Zelt treffen. Doch dann wird es allmählich etwas lauschiger und ich kann das Versäumte nachzuholen. Ich falle in einen wohligen Tiefschlaf!
Als Guy de Maupassant im Herbst 1880 die Calanche besuchte, beschrieb er sie folgendermaßen: Fassungslos stand ich still vor diesen erstaunlichen Felsen aus rosa Granit, vierhundert Meter hoch, befremdlich, gequält, zerfressen von der Zeit, blutig im letzten Feuer der Abenddämmerung, wie ein Feenvolk aus Märchenwesen, versteinert von einer übernatürlichen Macht."
Ohne große Mühen erreiche ich kurz darauf den 491 m hohen 'Col de Lava'. Es bietet sich noch einmal ein herrlicher Blick nach Norden, auf den 'Golf de Porto' und den dahinter liegenden 'Golf de Girolata'. Im Nordosten zeigen sich schneebedeckte hohe Berge. Vielleicht der 'Monte Cinto'? Über eine leichte Abfahrt gelange ich zum 433 m hohen 'Col di San Martino'. Und es geht weiter abwärts, bis zum letzten Buckel vor Cargese, dem 100 m hohen 'Col du Torraccia'. 330 Höhenmeter Talfahrt, und das auf einem nagelneuen Straßenbelag! Ein lange entbehrtes Erlebnis! Ich kann das Rad endlich mal wieder laufen lassen ohne argwöhnisch nach tiefen Schlaglöchern oder quer über die Straße verlaufenden Gräben Ausschau halten zu müssen. Um 15 Uhr bin ich in Cargese. Nach einem erfrischenden Bad im Meer lege ich eine längere Pause ein. Es ist einfach zu heiß um weiter zu radeln. Anschließend genehmige ich mir im Ort noch zwei Bierchen. Als ich mich am späten Nachmittag ausgeruht und zufrieden wieder auf den Weg mache, hat die Hitze schon merklich nachgelassen. Die D 81 folgt nun wieder unmittelbar der Küste und weist keine größeren Höhenunterschiede mehr auf. So gegen 19 Uhr beschleicht mich das deutliche Gefühl für heute genug geradelt zu sein. In der Nähe des kleinen Ortes 'Tiuccia' finde ich einen Campingplatz und errichte mein Zelt. Der Platz ist in Ordnung, das Restaurant auch. Zum Dinner gibt es 'Cous-cous', kein Ereignis, aber nicht schlecht! Ich finde, man muss es mal probiert haben, um es abhacken zu können. |
||
12. Etappe, 51 km von Porto nach Tiuccia über Piana, den Col de Lava, die Bocca di S. Martino, den Col de Torraccia, Cargèse und Sagone.
| ||
|
<<<zur Navigation <<<
|