Moselradtour
2008
Von Metz nach Koblenz in 5
Etappen
Vorbemerkung:
Ab Thionville gibt es gut ausgebaute, befestigte Radwege, die meist
in unmittelbarer Nähe und zu beiden Seiten des Flusses angelegt sind. Es empfiehlt sich deshalb die Tour erst dort zu beginnen
und die Stadt Metz, die zweifellos sehenswert ist, gesondert zu besuchen. Wir, das Weißbierteam (Bild 20), waren mit den
Mountainbikes unterwegs, doch die gesamte Strecke bis Koblenz ist auch problemlos mit dem Rennrad zu bewältigen.
Das Auto haben wir in Trier, in der Tiefgarage des Hotels Constantin, wo wir auch übernachteten, abgestellt. Im
Morgengrauen, so gegen 8 Uhr 30, schwingen wir uns in die Sättel und machen uns auf den Weg zum Bahnhof, wo kurz
vor neun unser Zug geht.
Beim Umsteigen in Luxemburg haben wir eine knappe Stunde Aufenthalt, so dass wir erst so um die Mittagszeit in Metz ankommen.
Etwas ratlos stehen wir zunächst vor dem Bahnhof und versuchen uns mittels Rainers Bikeführer zu orientieren. Laut
Plan sollte der Startpunkt irgendwo in der Nähe der Kathedrale sein. Ein Passant schildert uns den Weg dorthin, und los geht's
in die Innenstadt.
2. Etappe, 28. Juni 2008, von Perl nach Trier (km 128)
Bei einem Weißbier ist es natürlich nicht geblieben, auch musste noch der frische Riesling, er stammte angeblich direkt vom
Hang gegenüber, verköstigt werden. Dennoch fühlen wir uns heute morgen ausgeruht und bereit zu neuen Taten. Auf Anraten
der Wirtin des Gasthofs in dem wir übernachteten, fahren wir bis Remich auf der linken, der luxemburger Seite und
im weiteren Verlauf bis Trier auf der deutschen Seite. In Wincheringen stehen wir zunächst etwas ratlos vor einem Wegweiser
der uns in die Berge nach Konz führen will. Doch dann entdecken wir noch einen, der am Bahnhof vorbei führt, und das ist der Richtige.
Am frühen Nachmittag treffen wir in Trier ein und machen uns sofort zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt.
3. Etappe, 29. Juni 2008, von Trier nach Bernkastel (km 199)
Seit 9 Uhr sind wir wieder unterwegs. Das Wetter zeigt sich etwas bedeckt, vereinzelt drohen
dunkle Wolken damit, nicht dicht zu halten. Erfreulicher Weise bleibt es bei leeren Drohungen. Bis Mehring radeln wir am
rechten, dann bis Mülheim am linken Ufer, um dort nochmals die Seite zu wechseln. Das Moseltal
wird nun merklich enger, der Fluss beginnt extrem zu mäandern und die weinbewachsenen Hänge werden deutlich steiler.
4. Etappe, 30. Juni 2008, von Bernkastel nach Briedern
Der Morgen sieht uns ausgeruht und bärenstark. 'Unsere' Niederlage bei der EM haben wir längst weggesteckt. Das prächtige Wetter entschädigt uns
für alles, verheist eine besonders angenehme Etappe.
5. Etappe, 1. Juli 2008, von Briedern nach Koblenz (km 340)
Auf zur letzten Etappe! Es sind noch etwa 70 km bis Koblenz! Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir um 9 Uhr bereits wieder auf Achse. Das Wetter
könnte besser nicht sein, es verspricht ein heißer Tag zu werden. Wir bleiben auf der rechten Flussseite und kommen gut voran. Bald schon erscheint
in unserem Blickfeld, weithin sichtbar über dem Moseltal thronend, die Burg von Cochem. ENDE
Entgegen den Angaben in einigen Bikeführern beginnt der eigentliche Moselradweg nicht in Metz sondern erst in Thionville.
Die bis Thionville in den einschlägigen Karten verzeichneten Radwege führen kreuz und quer durch die Landschaft,
sind nirgends ausgeschildert und deshalb schwer zu finden. Außerdem bekommt man die Mosel nur an einigen Brücken zu sehen,
über die oft brutalster Schwerlastverkehr führt.

1. Etappe, 27. Juni 2008, von Metz nach Perl, (km 76)
Nach einer etwa halbstündigen Irrfahrt durch kleinere und größere Gassen, über größere und kleinere
Plätze und Brücken, mehrmals an der Kathedrale vorbei, nach wiederholtem Befragen von Passanten und ihren zum Teil widersprüchlichen Auskünften,
gelangen wir schließlich doch auf eine Ausfallstraße, die in ihrem Verlauf mit Rainers Bikeplan übereinzustimmen scheint. Schon etwas
ausserhalb der Stadtgrenze führt uns dieser Plan dann in ein ausgedehntes Hafengelände mit unzähligen, riesigen Silos ohne
uns zu sagen, wie man da wieder raus kommt. Wir fahren ganz durch und stehen plötzlich auf freiem Feld, wo es nicht mehr weiter
geht. Wir kehren wieder um und finden schließlich doch noch den Ausgang und den empfohlenen Weg. Alsbald gelangen wir für einige Kilometer
auf eine Hauptverkehrsstraße mit brutalem Schwerlastverkehr. Das zehrt an den Nerven und ist nicht ungefährlich. Um uns zu orientieren
müssen wir immer wieder lästige Stops einlegen. Wir verfransen uns, kommen vom 'rechten Pfad' ab und finden ihn wieder. Es gibt
keine Ausschilderung, und wir sind oft im Zweifel, ob wir noch richtig sind oder nicht.
So geht es dahin bis Thionville, wo wir uns im Stadtpark an der Mosel entnervt eine kleine Ruhepause gönnen.
Bild 1: Thionville, Stadtpark
Radfahren macht nun wieder Spaß, und der Stress ist schnell vergessen. Linksseitig, auf einem ordentlich geteerten Radweg, meist unmittelbar am
Fluss, geht's durchs idyllische Moseltal, vorbei an dem wohl berühmtesten Baudenkmal der Gegend, dem KKW in Cattenom.
Bild 2: Moselradweg bei Rettel
Das Wetter meint es gut mit uns. Bei bedecktem Himmel und Temperaturen um 20°C und einem meist achterlichen Wind kommen wir flott voran.
In Schengen radeln wir über die Brücke nach Perl, unserem ersten Etappenziel. Doch, um in die Ortsmitte zu den Hotels zu gelangen
ist erst noch ein schier endlos erscheinender, steiler Berg zu überwinden. Wir schieben, und nur die Aussicht auf ein kühles Weißbier
lässt uns auch diese letzte Strapaze noch ertragen.
Trier, die beschaulich quirlige Moselhauptstadt, mit ihren großartigen Baudenkmälern aus Antike und Neuzeit ist natürlich
während einer zeitlich knapp bemessenen Fahrradtour nicht im Entferntesten richtig zu würdigen. Um auch nur einen
ungefähren Eindruck von der Vielschichtigkeit der ältesten Stadt Deutschlands zu bekommen, sollte man sich mindestens
eine Woche Zeit nehmen - Zeit, die wir leider nicht haben. Wir begnügen uns deshalb mit einem Bummel durch die
Fußgängerzone über den Hauptmarkt zur Porta Nigra und mit einem Abstecher zum Dom. Wir übernachten wieder im Hotel
Constantin an der Römerbrücke.
Bild 3: Trier, Porta Nigra
Bild 4: Trier, Dom
Bild 5: Steillagen
Die Winzer, die in diesen steilen Hochlagen ihre Rebstöcke kultivieren, müssen wahre Kletterkünstler sein. Außerdem scheint mir das
Arbeiten in diesen Steilhängen nicht ganz ungefährlich zu sein. Das mag auch erklären, warum Weine aus solch exponiertem Anbau
um einige Euros teurer sind als andere.
Den Windungen der Mosel folgend haben wir den Wind oft im Rücken und kommen gut voran. Um die Mittagszeit taucht am linken Ufer
der Weinort Piesport auf, allgemein bekannt durch sein Goldtröpfchen. Mit rund 400 Hektar Rebfläche ist
Piesport die größte Weinbaugemeinde an der Mosel.
Auf etwa einem Viertel der Fläche, vorallem in den Steillagen, wird Riesling angebaut. Dass hier schon zur Römerzeit Weinbau
betrieben wurde, bezeugen zwei Kelteranlagen aus dem 2. Jahrhundert n.Chr., die hier gefunden wurden und die, rekonstruiert, so eine Art
Touristenattraktion sind.
Bild 6: Piesport
Das selbst gesteckte Ziel, die Tour in 5 Tagen durchzuziehen, verbietet uns länger als nötig zu verweilen. Piesport wäre sicher
einen längeren Aufenthalt wert gewesen.
Am frühen Nachmittag treffen wir in Bernkastel, unserem heutigen Etappenziel ein. Die fachwerkbewehrte Operettenstadt an der
Mittelmosel ist ein Touristenmagnet erster Ordnung. Ihr malerisches Stadtbild strahlt Gemütlichkeit einer guten Stube aus.
Anziehungspunkt für die Touristen aus aller Welt ist unter anderem der mittelalterliche Marktplatz mit
seinen Giebelfachwerkhäusern aus dem 17. Jahrhundert und dem St. Michaelsbrunnen aus dem Jahre 1606.
Eine besondere Attraktion stellt auch das außerordentlich
schmale 'Spitzhäuschen' dar, bei dessen Anblick sich einem unwillkürlich die Frage aufdrängt, warum es nicht schon längst umgefallen ist.
Immerhin stammt es aus den Anfangsjahren des 15. Jahrhunderts (1416).
Bild 7: Bernkastel, Stadtteil Kues
Bilder 8 und 9: Bernkastel, Marktplatz mit Brunnen
Bild 10: Bernkastel, Spitzhäusle am Marktplatz
Im Schatten eines Straßencafes genehmigen wir uns zunächst ein kühles Weißbier um den gröbsten Durst zu löschen, und dann noch eins, als Tribut
an die inzwischen auf über 30°C gestiegenen Temperaturen. An einer Infoschautafel buchen wir alsdann telefonisch ein Hotelzimmer. Man beschreibt uns
auch den Weg dorthin, was wir Besserwisser selbstverständlich ignorieren. Anhand des Stadtplans der Schautafel wählen wir eine Abkürzung, die uns
schließlich auch zum Ziel führt.
Was der Stadtplan uns jedoch verheimlichte, war eine etwa 50 stufige Treppe, über die wir die Räder nach unten tragen mussten.
Nach dem Abendessen sehen wir uns in einer Eckkneipe noch das Endspiel der Fußball EM an. Deutschland - Spanien 0:1, man erinnert sich, vielleicht!
Sein Desinteresse unterstreichend, setzt sich der Rainer demonstrativ mit dem Rücken zur Glotze. Wenn es im Lokal wieder mal besonders hoch her geht
weil Schweini, Poldi und Co ihr gewohntes und allseits erwartetes 'Leistungsprofil nicht abrufen können' (Fachausdruck Teo Zwanziger),
versuche ich ihm die jeweiligen Aktionen verbal etwas näher zu bringen. Er lässt sich aber dadurch nicht sonderlich beeindrucken. Der Rainer
ist eben nicht gerade ein Fußballfan. Vielleicht mangelt es ihm aber auch nur an dieser schwarzrotgoldenen, neupatriotischen Gesinnung, die seit
der letzten WM so schick geworden ist.
(km 269)
Bilder 11 und 12: 9 Uhr, Aufbruch in Bernkastel,
das Weißbierteam, ausgeruht und bärenstark, begierig wieder ordentlich in die Pedale zu treten
Um die Mittagszeit gelangen wir nach Zell. Durch die Weinlage "Zeller Schwarze Katz" ist die reizvolle kleine Stadt am
Moselbogen weltbekannt. Mit über 330 ha Anbaufläche ist sie nach Piesport die zweitgrößte weinbautreibende Gemeinde an der Mosel,
wobei traditionell die Rebsorte Riesling angebaut wird.
Bild 13: Zell, berühmte Weinlagen
Nach der Mittagspause auf einer Bank am Moselufer unternehmen wir noch einen Zug durch die Gemeinde. Durch enge, mit Weinstuben und
Restaurants üppig ausgestattete Gassen, gelangen wir ins Zentrum und zum inoffiziellen Wahrzeichen der Stadt, dem 'Schwarze Katz Brunnen'.
Bild 14: Zell, Gasse
Bild 15: Zell, Brunnen mit schwarzer Katz
Drei Moselschleifen und etwa 24 km weiter erreichen wir das urwüchsige Winzerdorf Briedern. Hier werden etwa 130 ha Weinbergsfläche
bewirtschaftet. Neben dem typischen Moselriesling werden auch Weine aus Müller-Thurgau und Kerner, sowie Rotweine aus Spätburgunder
und Dornfelder Trauben angebaut.
Wir übernachten im Weinhaus Lenz, das eine schöne, große, zur Mosel hin gelegene, Terrasse besitzt. Die Luft ist lau und bei angeregter
Unterhaltung und etlichen guten Tropfen wird es ziemlich spät.
Bild 16: Moselradweg bei Cochem mit Burg
Bild 17: Cochem, Stadtansicht
Bild 18: Cochem, Burg
Nach Cochem geht es auf der rechten Seite durch ein Naturschutzgebiet, das heißt auf einem unbefestigten Pfad ca. 6 km durch ein Waldgebiet.
Wer mit dem Renner unterwegs ist, sollte deshalb ab hier besser den Radweg am linken Ufer benutzen.
Für etwas robustere Räder ist die Piste aber gut befahrbar. Man radelt überwiegend im Schatten und meist in unmittelbarer Flussnähe. Hin
und wieder kommen uns größere
Gruppen Gleichgesinnter entgegen, da kann es schon mal eng werden und es stellt sich die Frage nach der Vorfahrt. Hier fehlen eindeutig
strenge Vorfahrtsregeln mit den entsprechenden Schildern (Ha!).
In Treis-Karden wechseln wir auf das linke Ufer. Die Strecke wird leicht hügelig, der Weg führt immer wieder mal durch die Weinberge. Von oben bietet
sich dabei hin und wieder ein schöner Ausblick auf das gewundene Moseltal. Die Besiedelung wird langsam dichter, und am frühen Nachmittag ereichen wir die
Stadtgrenze von Koblenz. Wir wollen zum Deutschen Eck! Rechtzeitig begeben wir uns deshalb wieder auf das rechte Moselufer.
Die letzten 300 Meter sind ziemlich holprig. Ich steige ab und schiebe und stelle fest: Das Deutsche Eck ist nicht besonders radlerfreundlich!
Dann sind wir da, stehen unmittelbar am Zusammenfluss von Mosel und Rhein. Ein erhebender Moment, nach 340 km endlich angekommen zu sein!
Bild 19: Koblenz, letzte Mosel Brücke vor der Mündung
Bild 20: Die Protagonisten, das Weißbierteam am Ziel
Im Biergarten am Deutschen Eck machen wir eine etwas verspätete Mittagspause. Es gibt Weißbier und Leberkäse. Anschließend radeln wir noch ein Stück
rheinaufwärts und zum Bahnhof,
wo wir gegen fünf den Zug nach Trier besteigen. Dort angekommen, im Hotel Constantin, schließt sich dann der Kreis und eine abwechslungsreiche
Fahrradtour durch eine herrliche, kultivierte Flusslandschaft geht zu







































